Living Forest

Ein Wald der ganz besonderen Art

Ein Raum mit Mehrwert für Mensch und Natur

Die Ecosphere verfolgt im Wesentlichen eine Frage: Wie können wir die Bedürfnisse des Menschen stillen und gleichzeitig eine positive Wirkung auf die Natur erzeugen? Um diese Frage zu beantworten benötigen wir Schutzräume um neue Ideen umzusetzen, zu erproben, zu erfahren. Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir einen neuen “Schutzraum” aufspannen, den sogenannten Living Forest. Dafür werden wir uns um 1,8 Hektar (18.000m² oder 2,5 Fußballfelder) vergrößern. Auf dieser Fläche soll einen Wald der besonderen Art entstehen. Primär verfolgen wir mit dieser Aufforstung das Ziel, das Bodenleben und eine Humusschicht aufzubauen und dabei ganz nebenbei CO2 wieder im Boden einzulagern, Wasser und Luft zu reinigen und den Boden vor Errosion zu schützen. Der Wald soll Insekten, Vögeln, Säugetieren und Amphibien wieder einen Nahrungs-, Brut-, und Rückzugsort geben.
Gleichzeitig soll der Wald aber auch wesentliche Grundbedürfnisse des Menschen stillen. Dies bedeutet, dass Obst und Gemüse in dieser Waldstruktur angebaut werden soll. Der große Vorteil: Ein Wald ist ein System in Balance, welches sich selbst reguliert und somit Pestizide und Kunstdünger überflüssig macht. Dieses Konzept wird “Food Forest”, “essbarer Waldgarten” oder spezifischer “syntroptische Landwirtschaft” genannt. Unser Vorbild ist dabei Ernst Götsch.
Wir wollen dieses Konzept noch weiter denken und den Ort von Anfang an als Ruhe-, Schulungs- und Entdeckungsraum auch für uns Menschen designen. Damit übernimmt der Living Forest folgende Funktionen:

  • Aktives Einlagern von CO2 in den Boden
  • Aufbau einer Humusschicht und von Bodenlebewesen
  • Schaffung eines Lebensraums für Vögel, Säugetiere, Insekten und Amphibien
  • Verhinderung von Erosionen
  • Erhöhung der Biodiversität
  • Naturnaher, kühler Aufenthaltsort für den Menschen
  • Produktion von Nahrungsmitteln (Früchten, Gemüse) und Holz
  • Versuchs-, Bildungs- und Lernraum

Ein gemeinschaftliches Projekt entsteht

Momentan sind wir dabei, die Organisationsstruktur und einen gemeinnützigen Verein aufzubauen. Wir arbeiten daran, die notwendigen behördlichen und finanziellen Voraussetzungen zu schaffen und die Pflanz- und Anbauplanung immer weiter zu detaillieren. Die Planung des Living Forest wird dabei von Sarah Daum (Agrar,- und Geoökologing und Permakultur-Designerin) begleitet und ganz wesentlich durch Sundaram (Musiker und Bhajan-Sänger) getragen und untersützt. Und dann kommst du ins Spiel: Durch deine Ideen während des Planungsprozesses, durch deine finanzielle Unterstützung, durch deine Unterstützung beim Pflanzen, Pflegen und Ernten möchten wir diesen Schutzraum aufspannen und den leeren, bisher konventionell bewirtschaftete Acker wieder zum Leben erwecken.
Dein großer Vorteil: Im Rahmen von Workshops, Seminaren und anderen Veranstaltungen der Ecosphere kannst du den Ort immer wieder besuchen und sehen, wie deine Bemühungen nach und nach Früchte tragen. Wer weiß, vielleicht tanzen wir in 15 Jahren im Schatten der Bäume, die wir selbst ausgesät haben, hören während eines Klassikkonzerts im LivingForest den Vögeln beim singen zu und genießen zusammen mit der Natur die Früchte unseres Engagements.

Das Konzept Living Forest

Wie können Räume aussehen, in denen sich Pflanzen und Tiere frei entfalten können und gleichzeitig menschliche Bedürfnisse nach Nahrung, Energie, Gemeinschaft gestillt werden? Wie können Systeme aussehen, die auf der einen Seite Nahrungsmittel produzieren und gleichzeitig das Land regenerieren, Kohlenstoff wieder im Boden einlagern, die Grundwasserreservoire wieder auffüllen, Biodiversität nähren und unterstützen? Zur Beantwortung dieser Frage müssen unterschiedlichste Sektoren zusammengeführt und in ein positives, sich unterstützendes Verhältnis gebracht werden. Ein vielversprechender Ansatz und somit Ausgangspunkt unserer Überlegungen sind Agroforstsysteme. Diese führen bereits die Disziplinen Holzproduktion, Tierhaltung, Gemüse- und Ackerbau auf einer Fläche zusammen. Die Pflanzen und Tiere in diesem System unterstützen und fördern sich gegenseitig. Auf eine kooperative Weise entstehen so waldähnliche Strukturen, welche in Balance sind und ohne Input von außen (also ohne Kunstdünger, ohne Pestizide, ohne Bewässerung) auskommen. In einem stabilen Agroforstsystem greift der Mensch nur noch fördernd ein – zum Beschneiden, Stutzen, Ernten. Wir Menschen werden zum nützlichen Teil des Systems. Gleichzeitig liefert der Living Forest Nahrungsmittel in Form von Gemüse und Früchten, Holz und vor allem einen Ruhe-, Kreativ-, Arbeits- und Erholungsraum. Er ist Brut- und Lebensraum zahlreicher Tierarten. Weitergedacht – jedoch nicht Teil unseres Prototyps – soll ein Living Forest dem Menschen auch als Wohnraum dienen. Wir fangen also mit der kleinsten Zelle, dem Agroforstsystem, an und integrieren dann Schritt für Schritt in positiver Weise weitere Sektoren hin zu einem Living Forest. Dabei ist es uns wichtig, dass das Ökosystem, der Living Forest, Mensch und Natur in einem gemeinsamen System zusammenführt.

Mehr als nur die Summe aller Bäume

Wir können als Einzelpersonen einen einzelnen Baum pflanzen. Dies ist ein effektives und nachhaltiges Mittel für unsere Umwelt: Bäume absorbieren CO2, geben Sauerstoff ab, sorgen für einen gesunden Boden und sind Lebensraum für zahlreiche Tiere. Noch wirkungsvoller wäre unser Beitrag jedoch eingesetzt, wenn wir statt einzelner Bäume gleich ein ganzes Ökosystem etablieren. Die Bäume, Büsche, Gräser, Kräuter, Blumen können sich so gegenseitig unterstützen und ein System bilden, welches weit mehr als die Summe ihrer Einzelkomponenten ist: Die Pflanzen können sich selbst aussehen und vermehren, geben sich gegenseitig Schatten und Nährstoffe. Das System ist in Balance und fruchtbar auch ohne Kunstdünger, Pestizide und großflächige Bodenbearbeitung. Insekten, Amphibien, Vögel und Säugetiere finden ein diverses Nahrungsangebot. Das Anlegen und Etablieren eines solchen Biosystems ist mit Herausforderung und Kosten verbunden, die wir als Einzelperson meist nicht tragen können. Ecosphere schafft einen Rahmen, der unsere Kräfte sinnvoll zusammenführt und bündelt. So wird die Planung, Umsetzung und Pflege eines neuen Ökosystems machbar.

Die Methodik, der Wald als Vorbild:

Betrachten wir ein karges Feld und lassen dieses ohne Bearbeitung ruhen, so wird sich dieses im ersten Jahr mit Gräsern, Kräutern, Blumen begrünen. In den folgenden Jahren werden sich erste Sträucher dazugesellen. Durch die abgestorbenen Blätter und Äste entsteht nach und nach eine Humusschicht, welche Pilzen, Wurzeln und Bodenlebewesen nährt. Es folgen erste Pioniergehölze wie Birken, Robinien, Pappeln. Nach und nach werden diese von langsam wachsenden Gehölzen wie Eichen, Buchen, Kirschen, Wallnüssen, Kastanien überragt und abgelöst. Als Ergebnis entsteht nach wenigen Hundert Jahren wieder ein Wald, ein System in Balance, welches ohne Pestizide, ohne Bodenbearbeitung, und ohne Bewässerung Früchte hervorbringt. Um den Prozess des „Wald werdens“ zu beschleunigen wurden unter anderem von Ernst Götsch Pflanzmethoden entwickelt, welche den sukzessiven Aufbau der Humusschicht, der Bodenlebewesen sowie der Pilz- und Wurzelsysteme wie im Zeitraffer beschleunigen. Auf diesem System bauen wir auf.

Andockstationen für weitere Disziplinen

Zwischen den Baum- und Strauchinseln werden freie Gras-Zonen gelassen, welche sukzessive für weitere Funktionen genutzt werden können. In den ersten Jahren werden diese noch als Grasstreifen zur Produktion von Mulch genutzt. Schnittmaterial wird in die Bauminseln geschoben und trägt so zum Aufbau eines gesunden Bodens bei – es dient als Nahrung für Bodenlebewesen. Nachdem das System sich etabliert und die Bäume gewachsen sind werden die Flächen gemeinschaftlich zur Tierhaltung, zum Gemüseanbau oder als Erholungs- und Lernorte genutzt. Auch sie profitieren enorm von den Pflanzen und Lebewesen der Bauminseln, werden beschattet, werden durchwurzelt, werden vor Erosion und Austrocknung geschützt. Gleichzeitig profitieren die Bäume und ihre Lebewesen vom Wirken, vom Schneiden, Kompostieren, Pflegen des Menschen. Wir möchten das System LivingForest also noch ein Stückchen weiter denken und den Menschen und sein Wirken eng in die Planung der Fläche mit einbeziehen. Welche Ressourcen können – mit positiver Wirkung – aus dem System entnommen werden? Wie werden diese weiter genutzt? Welche weiteren menschlichen Bedürfnisse, beispielsweise nach Erholung, nach Gemeinschaft, nach sinnstiftender Arbeit etc. kann dieses System stillen? Wie muss ein derartiges System dafür angelegt sein? So wollen wir gemeinsam mit euch Schritt für Schritt von einem Agroforstsystem zu einem Living Forest weitergehen.